Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen – wann ist es bemerkbar und vor allem warum ist das so?

Wir kommen alle mit einem natürlichen Bewegungsdrang auf die Welt, der zweifelsfrei zur körperlichen und mentalen Gesundheit beiträgt. Es ist bekannt, dass sich Erwachsene heutzutage weniger bewegen als Erwachsene in den 1990er Jahren. Auch Kinder und Jugendliche bewegen sich weniger als die vergangenen Generationen Parallel dazu nimmt der Anteil an übergewichtigen und fettleibigen Kindern und Jugendlichen stetig zu was zu einer zusätzlichen Inaktivität führt.

 

  • Doch wann genau kommt es allgemein zu einer reduzierten Bewegung im Alltag?
  • Gibt es einen Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern?

Die vorherrschende Meinung lautet, dass eine Reduzierung körperlicher Aktivität erst ab dem Jugendalter beginnt, wohingegen sie im Kindesalter noch relativ stabil ist. Neuen Untersuchungen zur Folge reduziert sich die Bewegungsaktivität bei Kindern bereits mit der Einschulung. Bei Mädchen ist die Reduktion stärker ausgeprägt als bei Jungen. Das ergaben jahrelange Untersuchungen an über 500 Heranwachsenden in England. Bei näherer Betrachtung der Daten fällt allerdings auf, dass die Bewegungsquantität bei circa 20 Prozent der Kinder, hauptsächlich Jungs, trotz Schuleintritt aufrecht bleibt. Warum diese Gruppe abweicht ist bisher unklar. Es wird vermutet, dass es sich hierbei um den sportlichen Teil der Kinder, also Kinder die regelmäßig einem Sport im Verein nachgehen und auch sonst sehr aktive Freizeitaktivitäten besitzen handelt. Hierbei spielen, die Erziehung, das Umfeld, der Freundeskreis und die schulische Ausbildung zentrale Rollen. Diese Faktoren liefern auch die Antwort auf die Frage „Warum nimmt die Bewegung mit Schuleintritt ab?“.

Um dem Problem des Bewegungsmangels entgegenzuwirken reicht es nicht aus lediglich die freiwilligen Bewegungsangebote in Schulen zu erhöhen. Diese werden vorwiegend von den ohnehin sportlichen Kindern in Anspruch genommen. Vielmehr sollten die Grundlagen für ein sportlichen beziehungsweise bewegungsreiches Lebens bereits im jüngsten Alter gefördert werden. Hierzu zählen neben dem Bau von Spiel- und Sportplätzen vor allem die Organisation des Sportunterrichts an Schulen. Am schulischen Sportunterricht nehmen auch die Kinder teil, die in ihrer Freizeit eher bewegungsarm unterwegs sind. Umso wichtiger ist es, dass der Sportunterricht die nötigen Rahmenbedingungen bietet und von ausgebildeten Fachpersonal durchgeführt wird. Hier muss meiner Meinung nach ein Umdenken an deutschen Schulen und im Schulsystem erfolgen. Bewegungsangebote und der Sportunterricht müssen bessere Rahmenbedingungen erhalten und stärker gefördert werden. Zudem muss den verantwortlichen Personen die Wichtigkeit dieser Faktoren bewusst sein und das sie als Lehrbeauftragte eine Vorbildfunktion besitzen. Sportvereine besitzen hier eine äußert wichtige Funktion. Sie fördern nicht nur die Begeisterung am Sport selbst, sondern bringen die Kinder und Jugendliche tatsächlich in Bewegung. Deshalb sollte besonderen Wert auf die Trainingsplanung gelegt werden, um die Nettobewegungszeit pro Spieler so hoch wie möglich zu halten. Fallen diese Faktoren positiv aus ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Kinder auf ein sportliches beziehungsweise bewegungsreiches Lebens konditioniert werden.

„Leider kommt es mancherorts vor, dass Kinder bei 90 Minuten Trainingszeit sich nur circa 50 Prozent dieser Zeit in Bewegung befinden“.

Darüber hinaus spielt selbstverständlich der Alltag beziehungsweise die Freizeitgestaltung der Kinder eine wesentliche Rolle. Als Elternteil sollte man darauf achten, dass man mit seinen Kindern nicht ausschließlich das neue Fifa auf der Playstation spielt, sondern auch Freizeitaktivitäten fördert, die mit Bewegung zusammenhängen. Zudem sollte unser Gesundheitssystem den Fokus vermehrt auf die Prävention statt Rehabilitation legen und dementsprechend diesen Bereich finanziell fördern. Zahlreiche Untersuchungen sowie der gesunde Menschenverstand legen nahe, dass Erwachsene die bereits als Kinder sehr aktiv waren und/oder eine Sportart begeistert ausgeführt haben auch im späteren Verlauf ihres Lebens aktiv bleiben und somit das Krankheitsrisiko senken und die Gesundheit fördern.

Literatur

  1. Corder K, Sharp SJ, Atkin AJ, et al. Change in objectively measured physical activity during the transition to adolescence. Br J Sports Med 2015;49:730–6.
  2. Cooper AR, Goodman A, Page AS, et al. Objectively measured physical activity and sedentary time in youth: the International children’s accelerometry database (ICAD). Int J Behav Nutr Phys Act 2015;12:113.
  3. Janssen I, Leblanc AG. Systematic review of the health benefits of physical activity and fitness in school-aged children and youth. Int J Behav Nutr Phys Act 2010;7:40.
  4. Timmons BW, Leblanc AG, Carson V, et al. Systematic review of physical activity and health in the early years (aged 0-4 years). Appl Physiol Nutr Metab 2012;37:773–92.

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Stefan Santanius

Stefan Santanius

Ursprünglich komme ich aus Friedrichshafen am Bodensee. Nachdem ich meine Laufbahn als Fußballer bereits früh im Alter von 19 Jahren aufgrund einer Verletzung, Fehldiagnosen und schlechter Behandlung beenden musste, entschied ich mich beruflich dem Sport treu zu bleiben und mich dementsprechend weiterzubilden, sodass ich die Person sein kann, die ich mit 19 gebraucht hätte. In Stuttgart besuchte ich eine Sportschule und absolvierte dort erfolgreich die Prüfungen zum Sportlehrer & Sporttherapeuten. Darüber hinaus besuchte und besuche ich weiterhin Fortbildungen um meinen ständigen Wissensdrang zu befriedigen. Ganz nach dem Motto „Wir sind alle Gesellen in einem Handwerk, in dem nie jemand Meister wird“. Bereits während meiner Zeit auf der Sportschule durfte ich Erfahrungen in der Arbeit mit Sportler unterschiedlichster Leistungsstufen sammeln. Heute gehören zu meinen Aufgaben die Leistungsdiagnostik, Trainingsplanung-, Beratung sowie Betreuung von Sportlern verschiedener Sportarten. Meine persönliche Leidenschaft liegt im Krafttraining, dass ich seitdem 13. Lebensjahr regelmäßig betreibe.

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